flausen+ Bundesnetzwerk
Seit 2018 sind wir Mitglied im flausen+-bundesnetzwerk freier Theater. 31 freie Theater arbeiten bundesweit gemeinsam daran, die Lage der Freien Darstellenden Künste zu verbessern: https://flausen.plus/karte/
Jedes Jahr werden flausen+stipendien an freie KünstlerInnen vergeben, die Freiraum bieten für szenische Forschung jenseits von Produktionslogik und Zeitdruck. Von Mitte Juli bis Mitte August 2021 durften wir unsere ersten StipendiatInnen begrüßen: die RADIKALEN NON-VERBALEN forschten 4 Wochen bei uns im Haus! Inzwischen konnten 5 Gruppen bei uns im Sensemble arbeiten.
Für das Förderprogramm #TakeCareResidenzen kooperierte das Sensemble über das flausen+-Netzwerk mit dem Fonds Darstellende Künste, um freischaffende KünstlerInnen zu unterstützen. #TakeCareResidenzen hatte zum Ziel, ausgewählte, frei produzierende KünstlerInnen und Gruppen, die durch die Covid-19 Pandemie und die Einschränkungen im kulturellen Sektor existenziell betroffen sind, für jeweils mindestens 2 Monate zu begleiten und zu stärken. 12 KünstlerInnen der freien Szene konnten wir dadurch unterstützen!
Über das Programm #TakeHeart konnten wir 2023/24/25 wieder in Kooperation mit flausen+ und dem Fonds Darstellende Künste sogar für 43 KünstlerInnen (davon 5 AbsolventInnen) Forschungs-Residenzen vergeben. Ein ermutigendes und positives Signal in dieser weiterhin so schwierigen Zeit!
flausen+ Stipendium #94 HOW TO BREATHE IN TIMES OF CRISIS
Die Klimakrise, die Ausbeutung des Planeten und Long Covid hängen unmittelbar zusammen. Nicht nur führten ähnliche Konditionen zu ihrem Entstehen, sondern sie bedingen sich gegenseitig.
Wir möchten uns in unserem flausen+stipendium diesen großen Themen durch ein Szenario nähern, dass die Physikalität von Long Covid als Rahmen für einen performativen Raum setzt, der Publikum als auch Performer:innen betrifft. Das Liegen auf transportablen Liegen auf Rädern ist der Ausgangspunkt für die Forschung auf der Bühne. Dabei interessiert es uns, den Zustand der Welt mit Algen als Material, ihrem Sound generiert durch Plantwaves, der Rhythmik unseren Stimmen und zwei Bässen zu erforschen.
Wir untersuchen die Klimakrise, die Atmung der Welt und die Extraktion des weltweit begehrtesten und endlichem Rohstoff Sand. Dabei verstehen wir Long Covid als Möglichkeit sich die Welt in einer sehr anderen Physikalität und einem anderen Rhythmus, Atmung und Zeit zuzuwenden. How to breath in times of crisis dear Algae?
Stipendiat:innen
Malin Harff, Tomás Rippol, Annu Koetter, Linda Jiayun Gao-Lenders
WOCHE 1
In der ersten Woche unserer Residenz beschäftigten wir uns vorwiegend mit den einzelnen Elementen, die wir in unserer Recherche untersuchen wollen: Sand, Algen und die Beziehung, in der wir als Menschen zu ihnen stehen.
In Bezug auf Sand stellten wir uns folgende Fragen:
Wie bewegt sich Sand?
Wie bewegt uns Sand?
Was umfasst den Körper von “Sand”, wo sind seine Grenzen?
In Improvisations- und Schreibübungen experimentierten wir mit Sand und seinem Einfluss auf uns und vice versa. Dabei lernten wir viel über seine Beschaffenheit und Bewegungen (fließend, rieselnd, wegwehend etc.).
Gemeinsam mit den Algen testeten wir Sonifizierungs-Technologie von Biodaten mithilfe eines PlantWave Devices: Sensoren messen die elektrischen Impulse der Alge, die wiederum in MIDI Daten übersetzt werden. Wir probierten unterschiedliche Parameter und Instrumente aus und fanden unterschiedliche Wege den Stromkreislauf zu schließen, um die Signale der Alge zu übertragen.
WOCHE 2
Diese Woche arbeiteten wir hauptsächlich im Studio und beschäftigten uns viel mit der Frage, wie sich behinderte und erkrankte Körper ohne großen Energieaufwand auf der Bühne bewegen können. Für unsere Recherche haben wir vorwiegend mit Rollbrettern gearbeitet. Mithilfe von Informationen von Axis Syllabus und unter Berücksichtigung der Anatomischen Ausrichtung in der Horizontalen Ebene erforschten wir gemeinsam mit den Brettern Bewegungsmöglichkeiten. Dabei nutzten wir Momentum und Schwerkraft, um so energieeffizient wie möglich zu arbeiten.
Außerdem hatten wir einen erfolgreichen Tag mit unserer Mentorin Manuela Mantini. Wir zeigten ihr einige Scores, die aus der Arbeit mit den Rollbrettern und dem Sand entstanden sind. Aus dem Feedback Gespräch resultieren neue Fragen über Schichtungen verschiedener Ebenen, die räumlich entstehen, wenn man in der Horizontalen performt und z.B. nichtmenschliche Körper plötzlich auf einer höheren Ebene stehen als menschliche.
Auch sprachen wir zusammen über die Auswirkungen von einer Krankheit wie Long Covid auf die choreografische Arbeit im Allgemeinen und welche Strukturen es benötigt, um betroffene Körper mehr Teilhabe zu gewährleisten. Manuela brachte dabei viele bereichernde Aspekte aus Ihrer Arbeit als Choreografin und Vermittlerin ein, die uns neue Denkanstöße für unsere Recherche geben. Eine Frage, mit der wir uns seit dem Treffen viel beschäftigten, ist, wie viel Sprache oder Text eine Performance benötigt, um spezifische Lebensrealitäten und Konditionen sichtbar zu machen. Oder anders formuliert; wie viel künstlerische Abstraktion können wir uns erlauben, wenn es wichtige zu vermittelnde Inhalte gibt? Können sich nur diejenigen leisten, abstraktes Theater zu machen, deren Besuchende über das gleiche Vorwissen verfügen? Welche Tatsachen müssen über unsichtbare Erkrankungen und Diskurse, die wenig bekannt sind, benannt werden, damit sie überhaupt in der Perspektive der Besuchenden vorkommen? Und wie kann Text wichtige Botschaften überbringen und gleichzeitig als eigene performative und rhythmische Ebene, als eigene Entität und Körperlichkeit fungieren, die das Geschehen eher begleitet als beschreibt und auf Augenhöhe mit anderen menschlichen und nichtmenschlichen Performer*innen ist?
An einem der Tage widmeten wir uns mit diesen Fragen im Kopf verschiedenen Schreibübungen und experimentierten mit Textformen, die nichtmenschliche Lebensrealitäten einbeziehen. So entstanden z.B. Briefe von Algen und Texte über Vermessungen, die Längenangaben in Sandkörnern und Zeitangaben in Erdvibrationen angeben.
Ein weiterer wichtiger Recherche Punkt dieser Woche, der auch aus dem Gespräch mit Manuela hervorkam, beinhaltete die Auseinandersetzung mit Triggern, die Bewegungen initiieren. Was motiviert einen müden Körper überhaupt, sich zu bewegen? Welche innerlichen und äußerlichen Impulse führen zu einer Bewegung im Körper, die immer auch eine Bewegung des Raums mit sich bringt? Basierend darauf entwickelten wir verschiedene scores, mit denen wir auf den Rollbrettern weiter forschten.
Ein kleines Highlight diese Woche war das 25. Jubiläum des Sensemble Theaters, wo wir uns mittlerweile richtig zuhause fühlen. Ein warmes Fest mit Big Band, Tombola und Grillen, für das die Algen und Tom ein Mini-Konzert gaben.
WOCHE 3
Was ist die Zeitlichkeit von Krisen?
Diese Woche haben wir uns mit der Dramaturgie von Krisen beschäftigt und mit den Relationen und Überschneidungen von körperlich- gesundheitlichen Krisen und Krisen des Planeten. Ist Krise ein hoher schriller Ton, der nie aufhört oder eine unterschwellige laute Stille?
Wie können Solidarität und Fürsorge in Krisen aussehen und zu choreografischen Prinzipien werden? Wie werden Krisen sichtbar auf Bühnen? Da wir in den nächsten Jahren planen, das Thema Krise in den Fokus unserer Arbeit zu rücken, haben wir uns gefragt, welche Formen von Krisen es gibt, und welche Vibrationen, Sounds und Bewegungen diese haben. Welchen Rhythmus und welche Lautstärke? Ist eine Krise laut oder sehr still? Und existieren Krisen singulär oder immer in Gruppen?
Mit unserer Mentorin haben wir diese Woche über die Dramaturgie von was initiiert Bewegung geredet und über die Frage, was bewegt Körper und Gegenstände sich zu bewegen.
Gemeinsam mit Manuela haben wir uns auf unser Work-in-Progress Showing vorbereitet. Die Gespräche und der Blick von außen halfen uns sehr weiter. Aus unseren Recherchen der letzten Wochen entstand eine kleine Performance, in der wir durch Sound, Text und Bewegung unsere Themen, besonders die Klimakrise und Long Covid, und wo sich diese überschneiden, von unterschiedlichen Seiten beleuchten.
WOCHE 4
In dieser Woche bereiteten wir uns vor allem auf unser Work-in-Progress-Showing am Sonntag vor. Seit Montag waren wir sogar zu fünft; aus Gießen kam nämlich noch Tina dazu, die uns viel Feedback gab und die Recherche mit ihrem frischen Blick von außen bereicherte.
Die Arbeit konzentrierte sich darauf, alle Aspekte unserer Recherche in eine Präsentationsform zu bringen und dabei dramaturgische Aspekte zu berücksichtigen. Wir entwickelten einen Anfang der Performance bei dem über Text eine Rahmung stattfinden sollte. Zum einen dient der Einstieg dazu, Informationen z.B. über die Anzahl an Long Covid Erkrankten weltweit zu übermitteln, andererseits aber auch als Access Information an die Zuschauenden, z.B. wie laut der Sound im Laufe des Showings wird.
Die Woche verflog rasent schnell und endete mit unserem Work in Progress Showing am 12. Oktober in gemütlicher Runde. Für uns ein besonders wertvoller Abschluss, da wir unsere Recherche hier zum ersten Mal mit Publikum teilten. In einer gemeinsamen Feedbackrunde besprachen wir, was gut funktioniert hat und wo es Fragen gab.
Bei gemeinsamer Pizza gab es dann noch einen Abschluss mit dem Sensemble Theater, Felix von Flausen und Manuela, unserer Mentorin.
flausen+ Stipendium #88 DAS LEMON
the poetic, politic and narrative potential of wallpaper
– Let’s talk about Wallpaper –
"Das Lemon” collective are Alicia Reyes, Joern Griepenburg, Robin Plenio and Lucas Xerxes.
We will explore the Poetic, Political, and Narrative Potential of wallpapers – a seemingly mundane silent witness that is around us.
Coming from different backgrounds in classical music, software engineering, theatrical performance, and multimedia art, we peel back the layers, discovering a tapestry of stories.
Sitting in a bar staring at the wall while having nothing serious to say, made us discover personal and cultural connections to the topic.
We seek to unravel the storytelling potential, finding parallels to political issues such as gentrification of cities and socio-economic differences.
Who is able to shape their personal surroundings to their wishes? How much do our surroundings influence our way of thinking/feeling?
Our practice as research (PaR) will combine interviews, historical archives, literature, anecdotes and memories, technologies, public intervention, patterns, light, loops, lemons, love, monster trucks, scrambled egg, robotic walls, robotic paper, printers, silk-screen print, swimming suits, butt plugs, synths and friends
flausen+ Stipendium #83 LAYERS OF INTIMACY
4 Wochen sind Valentin Schmehl, Cali Kobel, Ayo Gry, Genevieve Simmons und Colin Brush bei uns zu Gast und forschen zum Thema Improvisation und Intimität.
Hier geben sie einen Einblick in ihre Arbeit:
Layers of Intimacy is a research on composition and improvisation in intimate encounters. It’s a choreographic approach to understand and create qualities of togetherness. How and why do we make our choices in sex? How do we move from one phase to the next? What intelligences and skills are important in that intimate process, and how do we train them?
If we look at sex as a social, usually improvised, highly nuanced bodily performance, this everyday practice moves close to other sensual, aesthetically complex and pleasurable performances. It can be analyzed, learned, differentiated by the same means. In Layers of Intimacy, we work as a group in the studio with the improvisation method PTC by Dr. Alan Bern, which makes the knowledge fund of compositional theory from music and dance accessible for improvisation. It is a clearly structured and socially aware approach. The goal is to create an empowering methodological work (an improvisational method) that is sensitive to power and gender dynamics and differentiates intimacy in its physical practice. We want to understand how we maneuver intimacy with each other: this has relevance to both professional settings (for example in rehearsal contexts) and personal interactions.
In brief: Layers of Intimacy thinks composition and sex together.
Hier geht es zum ausführlichen Logbook der ersten Forschungs-Woche: https://flausen.plus/residenz/layers-of-intimacy/
#TakeHeart-Residenzen 2023
Wir stellen hier nach und nach unsere 12 ResidentInnen und ihre Forschungsprojekte aus diesem Jahr vor.
Lisa Bühler
Halb voll oder halb leer?
In der Recherchearbeit „Halb leer oder halb voll?“ sollen unausgeschöpfte Potentiale kultureller Nutzung von Leerständen untersucht werden. Es ist eine Suche nach künstlerischen Mitteln, kulturpolitischen Lücken und dem sinnvollen Füllen gähnender Leere in „unseren“ Städten.
Winfried Gropper
Komm, erzähl mir was!
Der Autor Salman Rushdie wird im August 2022 Opfer eines Attentates. Doch welche Macht Geschichten, Erzählungen und Bücher haben können, zeigt uns nicht nur die Vergangenheit (Bücherindex, Bücherverbrennungen,…), sondern reicht bis in die Gegenwart. In der Recherche wird versucht auf persönliche Weise die Frage „welche Bedeutung können Erzählungen, Märchen u. Geschichten haben", zu beantworten.
Fred Brunner
„Auffällig Unauffällig!“
Die Bedeutung und Wirkung von (Live-)Musik im Theater
Es gibt kaum ein Theaterstück, das ohne Musik auskommt, doch wird sie oft wenig oder eher unterbewusst wahrgenommen. In seiner Forschungs- und Recherchearbeit spürt der Musiker/Komponist Fred Brunner der Bedeutung und Wirkung von Musik im Theater nach. Speziell die Live-Musik im Theater wird näher beleuchtet. Er dokumentiert, hört genau hin, stellt Zusammenhänge her, spürt dem „Unauffälligem“ nach und verleiht ihm Sichtbarkeit.
Dörte Trauzeddel
Deutschland(s)kinder
Durch Interwiews mit Menschen der Generation, die zur Wende noch Kinder waren, möchte Dörte Trauzeddel
untersuchen ob deren Herkunft bzw. Sozialisierung in Ost- bzw. Westdeutschland ihre Wertvorstellunge und
Lebenswirklichkeit bis heute beeinflusst. Damit begibt sie sich auf die Suche nach ihrer künstlerischen Identität
und sammelt Material zur dramatischen Bearbeitung.
Rainer Hartmann
K.I. - KÜNSTLICH INTERFERENZ
Eine Recherche zu einem multimedialen Bühnenprogramm.
Künstliche Intelligenz trifft auf menschliches Empfinden. Sprache, Video und Ton erschaffen virtuelle Welten in denen sich der Mensch die Frage stellt: Was macht mich menschlich und was ist die Essenz meiner Kreativität?
Sarah Hieber
NICHT ALLEIN
Kann Theater Menschen in einen tieferen, offeneren Austausch bringen? Kann es sie näher zusammenbringen? Weniger allein fühlen lassen, wenn sie sich mit einem schwierigen Thema zurückgelassen fühlen?
In ihrer Recherchearbeit „Nicht allein“ untersucht Sarah Hieber am Beispiel von dem Stück „All das Schöne“ die Wirkung von Theater auf das Publikum.
Daniela Aue
Läuten
Früher schrieb man dem Glockenläuten magische Kräfte zu.
Das Läuten strukturierte den Tag und war den Menschen ein Kommunikationsmittel.
Aber welche Bedeutung hat diese Ritual heute noch, wenn der religiöse Zusammenhang immer mehr in den Hintergrund tritt und keiner mehr auf die Codes und Zeichen hört?
"Läuten" sucht nach der performativen Wirkung auf die heutige Gesellschaft.
Daniela Nering
Ein Schluck Erde
Bölls erstes Theaterstück "Ein Schluck Erde" wurde 1961 im Düsseldorfer Schauspielhaus uraufgeführt. Für die Kritik war er als Bühnenautor gescheitert. Oder war das Stück seiner Zeit einfach voraus? Daniela Nering möchte mit ihrer Recherche „Ein Schluck Erde“ aus den Tiefen der Vergangenheit bergen und auf eine Spielbarkeit im Hier und Jetzt hin überprüfen.
Jörg Schur
Schluss mit lustig
Die Residenz 'Schluss mit lustig? Ich lach' mich tot.' zielt, ausgehend von unserer momentanen krisengeschüttelten Zeit, auf die Fragestellung "Wie lustig darf es heutzutage auf der Bühne zugehen"? Darf der Humor mehr ins Gewicht fallen als die Krise selbst? Was darf, soll oder muss die Kunst des Schauspiels in einer für uns alle spür- und sichtbar krisengeschüttelten Zeit dem Publikum zeigen?
#TakeHeart-Residenzen 2022
Hier stellen wir nach und nach unsere 23 ResidentInnen und ihre Forschungsprojekte vor.
Heiko Dietz
MadVertising
Ist Werbung für ein Krebsmedikament unter künstlerischen Aspekten denkbar oder abwegig? Oder einfach nur verrückt? Was würde Betroffene, neben aller Sach- und Fachlichkeit und der grundsätzlichen Heilsbotschaft, ansprechen? Wie könnte ein solcher Spagat zwischen Kunst und Seriosität aussehen und die Regeln der Ethik erfüllen? Ist ein künstlerischer Fokus grundsätzlich sinnvoll?
Daniela Nering
FREIHEIT FÜR FLADE
1951 wurde der aus dem Erzgebirge stammende18-jährige Oberschüler Hermann Flade aufgrund einer individuellen Protestaktion, dem Verteilen von Flugblättern gegen die am 15.Oktober stattfindende Volkskammerwahl, in einem Schauprozess zunächst zum Tode verurteilt. Daniela Nering will mit in ihrer Recherche Kraft von individuellem Widerstand in einem totalitärem Unrechtsstaat nachspüren. Flades Biografie ist ein Plädoyer für die Freiheit - damals wie heute.
Marius Alsleben
RELATION WITH A PUPPET
Die künstlerische Auseinandersetzung in „Relation with a Puppet“ bezieht sich auf den Bau einer Puppe, die das Kind-Ich des Figurenspielers darstellt. Was wäre, könnten wir das Leben noch einmal mit 5 Jahren beginnen und was passiert, in der Interaktion zwischen Vergangenheits-Ich und heutigem ich? Erinnern und Vorstellen: „wer ich mal war und wer ich gerne gewesen wäre“ mit und durch eine Puppe.
Lisa Bühler
EINE*R FÜR ALLE, ALLE FÜR EINE*N
In der Recherchearbeit Eine*r für alle, alle für eine*n sollen Partiziaptionsprozesse in Theater- und Kulturbetrieben untersucht werden. Es ist eine Suche nach Mitteln und Wegen, die kollektive und integrative Kulturarbeit voranbringen und zur Öffnung von Strukturen, Räumen und Inhalten beitragen.
Gianna Formicone
DIE METAMORPHOSEN DES OVID GESTERN UND HEUTE
Diese Residenz setzt sich mit dem Thema der Metamorphosen auseinander. Ovid schrieb „die Metamorphosen“ um das Jahr 1 n. Chr. Das Werk von Ovid hat einen enormen Einfluss auf die Literatur, bildende Kunst der nachfolgenden Zeiten gehabt und hat diesen sicherlich immer noch. Sind Nachhaltigkeit, Genderthematik, gesellschaftliche Gegensätze, die Vorherrschaft des (weißen) Mannes in diesem Werk zu finden?
Lilijan Waworka
ABSORPTION / TRANSFORMATION / RECYCLING
Darf bei einer Kunstform ökonomisch gedacht werden? Lilijan Waworka forscht nach Praktiken, Routinen, Techniken, Ansichten und Möglichkeiten beim musikalischen Schaffen für Theater. In wieweit werden technische Neuerungen als shortcut, vorhandene Skizzen als Ideenzünder oder Arbeiten anderer Musiker als Inspiration genutzt? Lässt sich der Arbeitsprozess optimieren, inhaltlich, zeittechnisch?
Marc Schmolling
CHOEUR, MON COER!
Marc Schmolling setzt sich in dieser Residenz mit dem Thema Chor im Theater auseinander. Wie wandelte sich seine Rolle von der Antike bis zur Gegenwart? Welches ungenutzte Potenzial steckt in dieser heute seltenen Theaterform noch und wie könnte man daraus ein neues, eindrucksvolles Format kreieren? Funktion, Mittel und Techniken werden hierzu recherchiert und erforscht.
Fred Brunner
ARTROCK & KRAUTROCK – alles nur retro?
In seiner Forschungs- und Recherchearbeit spürt der Musiker/Komponist Fred Brunner den besonderen Einflüssen der Krautrock- & Artrock-Musikszene der 1970er Jahre, die sie damals und vielleicht auch noch heute hat, nach. Er dokumentiert, hört genau hin, stellt Zusammenhänge her und versucht, der Musikkultur der 70er den Platz zu geben, den sie verdient.
Paul Wellenhof
JO JOLEN JODELN - laut unartikuliert schreien und stöhnen
Der Gamsbart ist verstaubt, das Alphorn verwahrlost, der Scheitel halb frisiert, das Dirndl nicht gebügelt und die Lederhose zwickt. -Ein alpines Pornohorrorszenario. Was passiert wenn einfache Jodellaute auf plumpe 70erJahre Filmdialoge treffen. Was bedeutet es heutzutage Jodelkönig zu sein? Was glänzt unter der Tracht? Wie notwendig sind Traditionen? Was bedeutet Heimat in einer digitalisierten Welt? Braucht die Welt neue Urlaute?
Wini Gropper
WANN IST EIN MANN EIN MANN?
Diese Residenz setzt sich mit dem Thema „Mannsein“ auseinander: Welche Rollenbilder werden Männern heutzutage vermittelt? Was bedeutet Emanzipation für einen Mann? Welches Männerbild prägte unsere Väter und Großväter? Die Recherche richtet sich an Männer mit und ohne Migrationshintergrund, verschiedenen Altersgruppen und unterschiedlichen Lebenskonzepten.
Philipp J. Neumann
SPY ON ME
Das Rechercheprojekt „SPY ON ME“ will sich mit den vom Internet angestoßenen Veränderungen im Wesen und Verhalten des Menschen auseinandersetzen und etwa in der Ambivalenz aus leichtfertigem Internet-Exhibitionismus einerseits und rigoros verteidigter Anonymität und Privatsphäre andererseits nach Formen suchen, diese Aspekte ins Theatralische zu übertragen bzw. künstlerisch zu kommentieren.
MFK Bochum
PANZER + FAHNE
in Panzer und eine weisse Fahne: Symbole für Krieg und Frieden. Welche Informationen, welche Mythen und künstlerischen Versprechungen liegen hinter diesen Symbolen, welche Körper sitzen im Schutzraum? Mit PANZER + FAHNE suchen die Künstlerinnen der Gruppe MFK Bochum nach struktureller wie inhaltlicher Begegnung und Verbündung in ihrer Arbeit.
Paula Schäfer
ALLEIN SEIN UND WIRKLICH ALLEIN SEIN
Jeder war in seinem Leben schon mal alleine oder hat sich einsam gefühlt. In dieser Recherche- Arbeit geht es darum, die vielen verschiedenen Aspekte dieses Gefühls zu beleuchten, die möglichen positiven Eigenschaften herauszufinden und sie auf die künstlerische Arbeit eines Schauspielers zu beziehen, der oft im Ensemble arbeitet, jedoch sich selbst als wichtigstes Werkzeug hat.
Rainer Hartmann
GLITCH POESIE
Eine Recherche zu einem multimedialen Bühnenprogramm: Sprache trifft auf digitale Wirklichkeit. Video und Ton gehen in Echtzeit Synergien ein. Eine poetische Betrachtung von Online-Bubbles und Offline-Konsequenzen.
Dörte Trauzeddel
Frauenbild der 50er
“Eine Frau hat zwei Lebensfragen: Was soll ich anziehen und was soll ich kochen?” In dieser Recherche untersucht Dörte Trauzeddel das Frauenbild der 50er bis zu den 70er Jahren untersuchen. Wie sah die junge BRD die Rolle der Frau? Welche Gesetze wurden gemacht? Und wie prägte diese Generation ihre Kinder? Wie wird die Frau dargestellt in den damaligen Medien? Spiegelt sich das Frauenbild auch in der Literatur/Dramatik wieder? Gab es abweichende Frauenbilder?
Jörg Schur
UnArt 21
In den kommenden 2 Monaten setzt sich Jörg Schur mit ganz besonderen Menschen auseinander: Menschen mit Trisomie 21. Wie unartig oder künstlerisch wertvoll ist ihr kreatives Potential in unserer Wirklichkeit? Ist das überhaupt Kunst oder nur das Wirken eines behinderten Menschen? Welches Kunstverständnis lässt sich davon ableiten? Verzögert entwickelt. Verstehen eingeschränkt.
flausen+Stipendium
RADIKALE NON-VERBALE
stipendiat:innen
MFK Bochum + Guest
Franziska Irina Schneeberger, Katarína Marková, Marlene Ruther und Anna-Sofie Lugmeier
Performative Zusammenarbeit ohne ein Wort? Zu keinem Zeitpunkt der 4 Wochen soll lautsprachlich oder schriftlich (miteinander) über die Arbeit reflektiert werden. Beschreibung und Kritik künstlerischer Prozesse läuft meist über verbale Kommunikation ab, aber was, wenn dieser ständigen Übersetzung in Sprache eine radikale Pause entgegnet wird? Wie sieht eine rein audiovisuelle und körpersprachliche Proben- und Arbeitspraxis aus?
Die Bühne bzw. der Theaterraum wird für den Zeitraum der Residenz ein Ort non-verbaler Kommunikation, in dem Materialien und Stimmungen zu Wort kommen, eine neue künstlerische Logik und der gleichberechtigte Diskurs erprobt werden kann. Tanz- und Bewegungstechniken sind die Mittel der improvisierenden Performerinnen, die mittels Video- und Tonaufnahmegeräten begleitet werden. Diese begleitenden Medien werden als Idee einer audiovisuell kommunizierenden Dramaturgie eingesetzt, die beobachten, reflektieren, kommentieren und intervenieren kann.
Hier ein Einblick in ihre Arbeit:
Rainer Hartmann
KALA HU Multimediales Tanz-Konzept
KALA HU ist die Recherche zu einem multimedialen Tanz-Event. Energetische Beats, Live-Percussion, plastische Projektionen und Tänzer*innen verschmelzen zu einer bewegten und bewegenden Performance.
Marius Alsleben
VATER HASE
Im Recherchevorhaben VATER HASE untersucht Figurenspieler Marius Alsleben die zwischenmännliche Vater/Sohn-Beziehung. Sein Partner bei der Recherche: ein Plüschhasenkostüm!
Lisa Fertner
KONKURRENZ
Von klein auf lernen wir „Wer besser ist, gewinnt.“ und je mehr Konkurrenten es gibt, umso größer wird der Erfolg angesehen. Können wir aber noch zwischen messbarer Leistung und Mensch unterscheiden? Wo fängt unser Selbstwert an und wo hört die Orientierung an dem Leben anderer auf? Lisa Fertner untersucht das Thema ‚Konkurrenz‘ im Kopfkino - denn zumindest dort, meint sie, können wir sie streichen.
Marc Schmolling
TURN OUT THE STARS
In Marc Schmollings Forschungsvorhaben „Turn Out The Stars“ wird untersucht, ob und wie Theater im kompletten „Black“ möglich ist. Wie können allein Klang, Geräusche und Musik die Geschichte erzählen? Und was passiert bei absoluter Stille? Was muss man verbalisieren, was nicht? Möglichkeiten, Techniken und deren Wirkung werden hierzu recherchiert und analysiert.
Jana Vetten
FLEXING DREAMPATH
Gibt es ein weibliches Pendant zum Flaneur? Wie sieht eine Stadt aus, in der Frauen* so unbeschwert wie Männer durch urbane Landschaften streifen können? Unterschiedliche Stimmen von Frauen* begleiten im Audiowalk "Flexing Dreampath" die Flaneusen auf ihrem Gang durch die Städte. Eine Anleitung zur Aneignung von Jana Vetten.
Philipp J. Neumann
DAS ENDE DER SCHWERKRAFT
Verschwörungstheorien sind für einige Menschen ein Handlauf, eine einfache (und dabei oft viel komplexere) Erklärung für schwer fassbare Ereignisse, eine Form der Schuldzuweisung in unsicheren Zeiten oder schlichtweg Glaubensersatz in einer verstärkt säkularen Welt. Philipp J. Neumann taucht mit seiner Recherche ein in eine Parallelwelt mit verrückten, faszinierenden und erschreckenden Weltbildern.