nach Heinrich von Kleist
DER UNBEDINGTE GLAUBE AN GERECHTIGKEIT
Ein rechtschaffener Mann wird betrogen. Der Rechtsstaat versagt. Aus dem Wunsch nach Gerechtigkeit wird ein erbarmungsloser Rachefeldzug.
Mit Michael Kohlhaas erzählt Kleist die Geschichte eines Pferdehändlers, der an der korrupten Justiz und der Willkür des Adels zerbricht. Als ihm auf legalem Weg jede Gerechtigkeit verweigert und seine Frau tödlich verletzt wird, nimmt Kohlhass das Recht gewaltsam selbst in die Hand – mit verheerenden Folgen für das ganze Land.
Kleists stellt Fragen, die heute aktueller sind denn je: Wann wird aus berechtigtem Widerstand Selbstjustiz? Was geschieht, wenn das Vertrauen in den Staat verloren geht? Wer bestimmt über Recht oder Unrecht? Ist das Urteil abhängig vom Empfinden eines Einzelnen oder meint Gerechtigkeit gleiches Recht für alle? In einer Zeit gesellschaftlicher Polarisierung und zunehmender rechter als auch linker Gewalt entfaltet Michael Kohlhaas eine beklemmende Aktualität.
Heinrich von Kleist ist einer der meist gespielten deutschsprachigen Dramatiker. Bekannt sind vor allem „Der zerbrochene Krug“ oder „Das Käthchen von Heilbronn“. Seine Theaterstücke und Erzählungen behandeln häufig Themen wie Gerechtigkeit, Schuld oder den Konflikt zwischen dem Individuum und der Gesellschaft.